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02 März 2020

Wenn die Trennung zum Gesundheitsrisiko wird: Neues, stationäres Angebot „wir2Reha“ hilft belasteten Alleinerziehenden

 

Alleinerziehende Eltern tragen dauerhaft die komplette emotionale und finanzielle Verantwortung für sich und ihr(e) Kind(er). Sie sind deshalb besonders anfällig für psychosomatische Erkrankungen wie chronische Erschöpfung oder eine Depression. Unter ständiger Anspannung und Stress leidet oftmals auch die Eltern-Kind-Beziehung.

 

Diese Erfahrung veranlasste den Arzt und Psychoanalytiker Prof. Dr. Matthias Franz vom Universitätsklinikum Düsseldorf mit seinem Team ein inzwischen mehrfach ausgezeichnetes Bindungstraining für belastete Alleinerziehende und ihre Kinder zu entwickeln. Das neue stationäre Unterstützungsangebot wir2Reha basiert auf den Erfahrungen des bundesweit in kommunalen Einrichtungen ambulant angebotenen wir2- Präventionsprogramms, das in 20 Gruppensitzungen das mütterliche oder väterliche Selbstvertrauen fördert, elterliche Feinfühligkeit sowie die Eltern-Kind-Bindung stärkt, das seelische Gleichgewicht der Betroffenen und die sozialen Kompetenzen für den Alltag verbessert und so insgesamt auch das Wohlbefinden der Kinder fördert.

 

wir2Reha hilft Alleinerziehenden, die aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme –  z. B. Depression oder Burn-out – im Rahmen einer stationären Rehabilitation behandelt werden. Das Angebot umfasst auch die begleitende Betreuung für Kinder im Vor- und Grundschulalter. Dabei steht die psychosomatische Rehabilitation der Alleinerziehenden an oberster Stelle, während parallel die Kinderbetreuung durch die Klinik erfolgt – bei Bedarf ergänzt durch ein pädagogisches Beratungs­angebot für die Patienten. Der mehrjährige Testlauf im Celenus Klinikum Schömberg (seit 2016) verlief ausgesprochen erfolgreich.

 

BMBF und DRV unterstützen ein Forschungsprojekt zu „wir2Reha“

 

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Deutsche Rentenversicherung wollen es nun genau wissen. Beide Institutionen bewilligten für das Projekt  „Zuweisung und Etablierung eines zielgruppenspezifischen Angebots für alleinerziehende Mütter in der stationären psychosomatischen Rehabilitation“ begleitende Forschungsmittel.

 

 „Wir können sofort mit dem wir2Reha-Programm starten“, erklärt Matthias Franz.  „Die Celenus Kliniken in Schömberg/Schwarzwald und im sächsischen Bad Elster haben bereits die organisatorischen und personellen Voraussetzungen zur Durchführung der Studie geschaffen.“ Für die Evaluation wird es jeweils Kontrollgruppen geben, die das übliche Reha-Programm ohne wir2Reha durchlaufen, so dass sich die Wirksamkeit der Projektteilnahme prüfen lässt.

 

Prof. Dr. Gunter Thielen, Vorstandsvorsitzender der Walter Blüchert Stiftung, gratuliert Matthias Franz und seinem Team zu diesem Erfolg: „Als Träger des wir2-Projektes freuen wir uns sehr, dass nun noch mehr Alleinerziehende  und ihre Kinder – von unserem Kooperationsprojekt profitieren können.“

 

Weiterführende Links:

Projekt wir2Reha: http://www.reha-alleinerziehende.de       

Projekt wir2 – Bindungstraining für Alleinerziehende: https://www.wir2-bindungstraining.de/

Celenus Klinik Schömberg: https://www.klinik-schoemberg.de/therapie/therapieangebot/

Celenus Klinik Bad Elster: s. https://www.dekimed.de/klinik/

Deutsche Rentenversicherung: s. https://www.deutsche-rentenversicherung.de

Walter Blüchert Stiftung: s. https://www.walter-bluechert-stiftung.de/

 

 

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31 Januar 2019

Leistungen bündeln, finanziell entlasten, Prävention ausbauen: Fachtagung fordert Unterstützung für Alleinerziehende

 

Köln / Gütersloh, 31. Januar 2018 – Jedes fünfte Kind in Deutschland wächst bei nur einem Elternteil auf. Vielen gelingt ein glückliches Familienleben, viele fühlen sich aber auch stark belastet und haben deutlich größere Gesundheitsrisiken als Eltern in Paarbeziehungen. Aber anstatt sie möglichst umfassend zu unterstützen, machen ihnen Bürokratie, Steuergesetze und mangelnde Transparenz über Hilfsangebote zusätzlich das Leben schwer. Auf der Fachtagung „Was (Ein-Eltern-) Familien brauchen“ diskutierten am vergangenen Dienstag rund 250 Experten darüber, wie die Situation verbessert werden kann. Ihre wichtigsten Forderungen: Staatliche Kompetenzen und Leistungen müssen besser gebündelt, die Betroffenen von Steuern und Abgaben entlastet und nachweislich wirksame Präventionskonzepte möglichst flächendeckend in den Kommunen umgesetzt werden.

 

Aktuelle Zahlen verdeutlichen den Handlungsbedarf. So erhalten von den 2,4 Mio. Kindern aus Ein-Eltern-Familien knapp die Hälfte keinen Unterhalt von dem getrenntlebenden Elternteil. Rund 700.000 Kinder erhalten Unterhaltsvorschuss vom Staat. Viele Alleinerziehende beantragen diese Leistung jedoch nicht. „Gerade wenn der unterhaltspflichtige Elternteil unregelmäßig zahlt, muss die Leistung jeden Monat aufwändig neu berechnet werden. Vor diesem bürokratischen Aufwand kapitulieren viele Mütter und verzichten auf das Geld, das ihnen eigentlich zusteht“, sagte Prof. Dr. Anne Lenze von der Hochschule Darmstadt. Deutschland sei im europäischen Vergleich außerdem das Land, das mit Steuern und Abgaben am stärksten auf die Einkommen von Alleinerziehenden zugreift, so Lenze weiter. „Wir brauchen vor allem im Niedriglohnbereich dringend den Einstieg in eine Kindergrundsicherung, um die Betroffenen aus der staatlichen Abhängigkeit zu befreien und Berufstätigkeit nicht finanziell zu bestrafen.“

 

Zu viele Anlaufstellen, zu viel Bürokratie, zu wenig Unterstützung

Wie die Mehrheit der Fachtagungsteilnehmer aus Kommunen und von sozialen Trägereinrichtungen beklagte sie den „Leistungswirrwarr“ der verschiedenen Behörden, dem die Alleinerziehenden überwiegend hilflos gegenüberstünden. Zuständigkeiten müssten stärker gebündelt, Ansprechpartner vor Ort benannt und Unterstützungsmöglichkeiten leichter zugänglich gemacht werden. In Umfragen wünscht sich der Großteil der Alleinerziehenden auch mehr Hilfe bei Behördengängen. Für den Entwicklungspsychologen Prof. Dr. Peter Zimmermann von der Bergischen Universität Wuppertal ist Bindung eine zentrale Voraussetzung für die Entwicklung psychischer und körperlicher Gesundheit von Alleinerziehenden und ihren Kindern. Frühzeitige Prävention im Bereich der elterlichen Feinfühligkeit und im Aufbau sicherer Bindungen der Kinder können wesentlich dazu beitragen, die oft vielfältigen familiären Belastungen zu bewältigen und Resilienz zu entwickeln. „Nicht die Alleinerziehenden sind das Problem. Die unzureichende Unterstützung ist das Problem“, ergänzte Prof. Matthias Franz vom Universitätsklinikum Düsseldorf. So erkrankten Alleinerziehende etwa dreimal häufiger an Depressionen als Mütter und Väter aus Paarfamilien. Auch ihre Kinder seien dadurch oft mitbetroffen, was sich in einer selteneren Teilnahme an U-Untersuchungen oder Verhaltensauffälligkeiten zeige. Der Psychosomatiker und Psychotherapeut sieht die Gesellschaft in der Bringschuld: „Wir müssen die Alleinerziehenden stärken und ihnen das Gefühl geben, gute Mütter zu sein, statt sie zusätzlich mit Schuldgefühlen zu belasten“, so Matthias Franz.

 

Wirksame Unterstützungskonzepte konsequent umsetzen

Einen wichtigen Beitrag dazu können nachweislich wirksame Präventionsangebote wie das von Prof. Dr. Franz entwickelte Bindungstraining „wir2“ leisten. Darin lernen Alleinerziehende unter fachkundiger Anleitung, besser mit belastenden Alltagssituationen umzugehen und dem Kind eine sichere Bindung zu vermitteln. Das von der Walter Blüchert Stiftung geförderte Programm wird gemeinsam mit verschiedenen Kooperationspartnern inzwischen bundesweit an mehr als 30 Standorten angeboten. „Das Programm ist wissenschaftlich evaluiert, zeigt messbare Wirkung und steht direkt zum Einsatz bereit. Was wir jetzt brauchen, sind mehr Kommunen und Kooperationspartner, die es vor Ort umsetzen, um die Alleinerziehenden spürbar zu entlasten“, so Stiftungsvorstand Prof. Dr. Gunter Thielen. Zu der Fachtagung in Köln hatte die Gütersloher Walter Blüchert Stiftung in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Düsseldorf, dem Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln sowie der Landschaftsverband Rheinland bundesweit eingeladen. Moderiert wurde sie von der Fernseh-Journalistin Brigitte Büscher.

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