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14 April 2020

Corona-Folgen für Alleinerziehende gravierend: Gerade jetzt kann ein neues Reha-Angebot helfen

 

Düsseldorf/Gütersloh, 14.04.2020 - In Zeiten von Corona leidet die vulnerable Gruppe der Alleinerziehenden, die sich oft mit anhaltenden Beziehungsproblemen auseinandersetzen muss, ganz besonders unter den neuen Belastungen durch Kontaktverbote und soziale Marginalisierung. Arbeitslosigkeit, fehlende Kinderbetreuung, Isolierung, Zukunftsängste etc. verstärken das Risiko zu erkranken. Gerade jetzt kann ein neues stationäres Angebot zur psychosomatischen Rehabilitation helfen: „wir2Reha“.

 

Multiple Belastungen für Alleinerziehende und ihre Kinder

 

Aufgrund der komplexen und etwa bei der Hälfte der Alleinerziehenden jahrelang anhaltenden multiplen Belastungen bestehen bei ihnen erhöhte Häufigkeitsraten für chronische psychosomatische Erkrankungen, Schmerzen, Befindlichkeitsstörungen und psychische Störungen. Vor allem Depressionen, Angststörungen, Rauchen oder Substanzmissbrauch treten bei Alleinerziehenden – 90 Prozent von ihnen sind Mütter - zwei- bis dreimal so häufig auf wie bei Eltern in Partnerschaften.

 

Und auch die Kinder der Betroffenen können unter dem Corona-bedingten Kontaktverbot zusätzlich leiden: Es ist erwiesen, dass Konflikte, elterliche Überforderung und eingeschränkte Elternkompetenzen das kindliche Risiko für psychische Beeinträchtigungen erhöhen und zu Problemverhalten führen können, deren Folgen bis ins spätere Erwachsenenleben nachweisbar sind.

 

Ambulante Hilfe zur Selbsthilfe: das „wir2“ Elterntraining

 

„Es ist wichtig, die betroffene Risikogruppe gerade jetzt zu unterstützen und auch nach der Corona-Krise mögliche Folgen im Auge zu behalten“, sagt Prof. Matthias Franz vom Universitätsklinikum Düsseldorf. Der Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychoanalytiker hat mit seinem Team an der Universitätsklinik Düsseldorf ein mehrfach ausgezeichnetes und nachhaltig wirksames Unterstützungsprogramm für belastete Alleinerziehende und ihre Kinder entwickelt: das Elterntraining „wir2“ (www.wir2-bindungstraining.de): wohnortnah, mit Kinderbetreuung und für Alleinerziehende kostenlos. Die Walter Blüchert Stiftung verbreitet das Programm bundesweit. Es wird in der höchsten Evidenzkategorie der Grüne Liste Prävention gelistet und vom GKV-Bündnis für Gesundheit sowie im ersten Nationalen Präventionsbericht als Modell guter Praxis aufgeführt.

 

Das strukturierte Gruppenprogramm basiert auf entwicklungspsychologischen, psychodynamischen und bindungswissenschaftlichen Grundlagen und fokussiert auf das emotionale Erleben, den Umgang mit Affekten und Gefühlen. Die Gesundheit der Alleinerziehenden, ihre Beziehung zu sich selbst und ihren Kindern wird gefördert durch einen individuell erlebniszentrierten Lernzyklus innerhalb eines affektmobilisierenden, selbstwertregulativ positiv rückgekoppelten Gruppenprozesses, wodurch das Erlebte und Gelernte besonders gut verarbeitet und langfristig beibehalten werden kann.

 

Aufgrund der Corona-bedingten Kontaktverbote arbeiten die Düsseldorfer Mediziner aktuell an einer „wir2“-Version, die mit weniger Sitzungen in einem interaktiven Videoportal durchgeführt werden kann.

 

Stationär für die psychosomatische Rehabilitation: „wir2Reha“

 

Für stärker belastete Alleinerziehende wurde am Düsseldorfer Universitätsklinikum ergänzend eine weitere Programmvariante für die stationäre psychosomatische Rehabilitation entwickelt: „wir2Reha“. Diese Rehabilitationsmaßnahme richtet sich – zunächst im Rahmen einer von der DRV und dem BMBF geförderten Studie – an psychosozial hoch belastete Alleinerziehende, deren Arbeitsfähigkeit aufgrund psychosomatischer Beschwerden bedroht ist.

 

Aktuell bietet die Celenus-Klinik Schömberg – und demnächst auch die DEKIMED Klinik in Bad Elster – „wir2Reha“ als sechswöchigen Klinikaufenthalt in der psychosomatischen Rehabilitation an, und zwar einschließlich begleitender Betreuung für drei-bis zwölfjährige Kinder. Der Corona-bedingte allgemeine Aufnahmestopp gilt für die Schömberger Klinik nicht.

 

Unterstützungsbedarf erkennen und Hilfsangebote nutzen!

 

Gerade jetzt in Corona-Zeiten, aber auch danach ist es wichtig, dass Ärzte, Psychologen, Jugendämter und soziale Einrichtungen die wachsende Gruppe der psychosozial belasteten Alleinerziehenden im Auge behalten, Unterstützungsbedarf erkennen und sich auch für die Nutzung bereitstehender neuer Hilfsangebote stark machen.

 

Kontakt:

Prof. Dr. Matthias Franz, Tel. 0211-81.18338, E-Mail: matthias.franz(at)uni-duesseldorf.de

 

Weiterführende Links:

Projekt „wir2Reha“: http://www.reha-alleinerziehende.de    

Projekt „wir2 Bindungstraining für Alleinerziehende“: https://www.wir2-bindungstraining.de/

Celenus Klinik Schömberg: https://www.klinik-schoemberg.de/

Celenus Klinik Bad Elster: https://www.dekimed.de/klinik/

Walter Blüchert Stiftung: https://www.walter-bluechert-stiftung.de/

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06 April 2020

Corona-Krise und die Folgen: Belastungen für Alleinerziehende besonders gravierend

 

Düsseldorf/Gütersloh, 6.4.2020. – Angst um die Gesundheit, Kontaktverbote, unsichere Arbeitsverhältnisse, geschlossene Kitas: In Corona-Zeiten leidet die besonders verletzliche und belastete Gruppe der Alleinerziehenden und ihre Kinder sehr unter den sozialen und wirtschaftlichen Einschränkungen. Verstärkte Beziehungsprobleme, finanzielle Sorgen, Zukunftsängste erhöhen das Risiko psychosozialer Beeinträchtigungen und psychosomatischer Erkrankungen für Alleinerziehende überproportional. Daher ist es wichtig, dass Ärzte, Jugendämter und Kommunen diese Risikogruppe im Auge behalten und Hilfen anbieten – vor allem auch nach den medizinischen und wirtschaftlichen Corona-Herausforderungen.

 

Studien belegen: Aufgrund der komplexen und etwa bei der Hälfte der alleinerziehenden Mütter jahrelang anhaltenden multiplen Belastungen bestehen bei ihnen erhöhte Häufigkeitsraten für chronische psychosomatische Erkrankungen, Schmerzen, Befindlichkeitsstörungen und psychische Störungen. Vor allem Depressionen, Angststörungen, Rauchen oder Substanzmissbrauch treten bei alleinerziehenden Müttern zwei- bis dreimal so häufig auf wie bei Müttern in Partnerschaften.

 

Erhöhtes Risiko auch für Kinder

 

Die Probleme der Alleinerziehenden, verstärkt durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie, erhöhen auch das kindliche Risiko psychischer Belastungen. Nicht nur das Corona-bedingte Kontaktverbot kann Kindern zusätzlich zu schaffen machen. Psychosoziale Beeinträchtigungen und Problemverhalten, hervorgerufen durch elterliche Überforderung, Konflikte oder eingeschränkte Elternkompetenzen, können für Kinder bis ins spätere Erwachsenenleben Konsequenzen haben.

 

Hinzu kommt: Streitende Eltern, denen nach der Trennung nicht daran gelegen ist, dass ihr Kind einen guten Kontakt zum anderen Elternteil hält, haben im Corona-Virus einen willkommenen Grund gefunden, um den Umgang auszusetzen. Wehren können sich betroffene Väter und Mütter dagegen derzeit kaum: Sowohl Gerichte als auch Jugendämter sind bundesweit derzeit praktisch kaum handlungsunfähig.

 

Ob die Sorge vor Covid-19 nun begründet oder vorgeschoben ist: Für Kinder kann fehlender Kontakt zum Vater oder zur Mutter gravierende Folgen haben. In einer ohnehin unsicheren Situation verunsichert es sie noch mehr, wenn sie einer Bezugsperson, die sie bisher regelmäßig gesehen haben, nicht mehr nahe sein können.

 

Ambulante und stationäre Hilfen für Alleinerziehende durch „wir2“

 

Über die staatliche Unterstützung, die Alleinerziehende nutzen können, informiert der Verband alleinerziehender Väter und Mütter auf seiner Startseite (https://www.vamv.de/vamv-startseite/) zeitnah und ausführlich – beispielsweise über Entschädigungsansprüche für den Verdienstausfall infolge Kita- und Schulschließungen, den Notfall-Kinderzuschlag (Notfall-KiZ), Wohngeld oder vorübergehend erleichterte Bedingungen zum Bezug von SGB II-Leistungen.

 

„Es ist wichtig, die betroffene Risikogruppe gerade jetzt zu unterstützen und auch nach der Corona-Krise mögliche Folgen im Auge zu behalten“, sagt Prof. Matthias Franz vom Universitätsklinikum Düsseldorf. Er hat mit seinem Team an der Universitätsklinik Düsseldorf ein mehrfach ausgezeichnetes Unterstützungsprogramm für belastete Alleinerziehende entwickelt: das Elterntraining „wir2“  wohnortnah, mit Kinderbetreuung und für Alleinerziehenden kostenlos. Die Walter Blüchert Stiftung verbreitet es bundesweit. Derzeit wird eine Online-Version mit weniger Sitzungen für ein interaktives Videoportal erarbeitet.

 

Für psychosomatisch erkrankte Alleinerziehende wird von den Celenus-Kliniken Schömberg und Bad Elster ergänzend das stationäre Programm „wir2Reha“ angeboten: als sechswöchiger Klinikaufenthalt in der psychosomatischen Rehabilitation – einschließlich begleitender Betreuung für drei bis zwölfjährige Kinder. Der allgemeine Aufnahmestopp gilt für die Schömberger Rehabilitationsklinik nicht.

 

Fazit: Nicht nur jetzt in Corona-Zeiten, sondern auch danach ist es für unsere Gesellschaft wichtig, dass Ärzte, Jugendämter und Kommunen die wachsende Gruppe der psychosozial belasteten Alleinerziehenden im Auge behalten, Unterstützungsbedarf erkennen und sich auch für die Nutzung bereitstehender neuer Hilfsangebote stark machen.

 

Kontakt:

 

Prof. Dr. Matthias Franz, Klinisches Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Düsseldorf, Tel. 0211-81.18338, E-Mail: matthias.franz(at)med.uni-duesseldorf.de

 

Anita Offel-Grohmann, Walter Blüchert Stiftung, Tel. 05241-17949-19, E-Mail: anita.offel-grohmann(at)walter-bluechert-stiftung.de

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