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Kommunikation | Silke Hanheide

24 März 2015

Fachtagung diskutierte Situation Alleinerziehender

Die wir2-Fachtagung 2015 "Alleinerziehend — Herausforderungen und Hilfen" lockte am 20. März über 50 Vertreter aus Ämtern und sozialen Einrichtungen nach Düsseldorf. Dort referierten Frau Prof. Anne Lenze über die finanzielle Situation Alleinerziehender und Herr Dr. Robert Schlack über die psychische Gesundheit von Kindern in Eineltern- und Stieffamilien. Hier zeigte sich, unter welchem finanziellen Druck Alleinerziehende stehen, und welche erhöhten Krankheits- und Suchtrisiken die Kinder tragen.

 

Eine nachweisliche und langfristige Hilfe ist das wir2 Bindungstraining, dessen Wirksamkeit und Notwendigkeit sein Entwickler Herr Prof. Matthias Franz in einem weiteren Vortrag vermittelte. Zudem stellte Frau Anita Offel-Grohmann von der Walter Blüchert Stiftung die Hintergründe der Stiftung vor. Seit Anfang 2014 ist wir2 ein Programm der Walter Blüchert Stiftung aus Gütersloh.

 

Die Fachtagung wurde abgerundet durch Workshops über die Lebenssituation Alleinerziehender, die Walter Blüchert Stiftung und wir2-Infrastruktur, Sinn und Zweck von Qualitätssicherung und Evaluation, wir2 für Kinder (wir2+), Fallarbeit aus laufenden wir2-Gruppen sowie eine Supervisionsrunde.

 

Ein Fernsehteam des WDR begleitete die wir2-Fachtagung, so dass demnächst mit einer entsprechenden Sendung zu rechnen ist.

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03 März 2015

Gunter Thielen zum Weltfrauentag am 8.3.2015:

Heute für morgen Zeichen setzen!

Modellprojekte für mehr Chancengerechtigkeit – präventive Hilfe für Mütter und ihre Kinder

Weltfrauentag. Hat dieser internationale Aktionstag für uns in Deutschland heutzutage noch eine Bedeutung? Es ist schließlich keine Frage mehr – wie vor 100 Jahren –, dass Frauen ihre Meinung äußern, studieren, zur Wahl gehen und arbeiten, ohne um Erlaubnis bitten zu müssen. Deutsches und europäisches Recht sichern die Gleichberechtigung von Mann und Frau.  Ob im Beruf oder in der Politik: Nie zuvor waren Frauen so präsent und so erfolgreich wie heute.

Hinter dem Bild veränderter sozialer und ökonomischer Hierarchien zeigt sich jedoch, dass Gender Mainstreaming zwar als Leitgedanke in allen Regierungsprogrammen steht. Aber zwischen gleichstellungspolitischen Normen, öffentlicher Rhetorik und der gesellschaftlichen Praxis klafft nach wie vor eine Lücke. Hartnäckig halten sich traditionelle Rollenbilder, tragen zu persönlichen und gesellschaftlichen Barrieren bei.

Die Rolle der Frau

Aktuelle Studien und auch der Familienbericht der Bundesregierung belegen, dass Männer sich nach wie vor in der Rolle als „Haupternährer“ sehen und sich nur selten an den Hausarbeiten beteiligen. Frauen übernehmen in der Regel ein Großteil der unbezahlten Haus-, Erziehungs- und Pflegearbeiten und bekommen im Durchschnitt für vergleichbare Arbeit weniger Geld als Männer – „equal pay“ ist längst nicht erreicht. Es ist auch heute noch überwiegend das Problem der Frauen, Beruf und Familie in Einklang zu bringen. Und die Top-Etagen der Wirtschaft sind weitestgehend frauenfrei.

Auch wenn es falsch ist, Alleinerziehende generell mit dem Stigma der Hilfsbedürftigkeit zu versehen – schließlich handelt sich weder um eine einheitliche Gruppe noch um Problemfälle: Besonders Alleinerziehende (zu 90 Prozent Frauen) bekommen die Herausforderungen zu spüren, die der Alltag in unserer Gesellschaft mit sich bringt.

Strukturelle Hindernisse für Alleinerziehende

Für rund 60 Prozent der Alleinerziehenden ist die Erwerbstätigkeit die wichtigste Einkommensquelle. 42 Prozent der Alleinerziehenden beziehen Leistungen nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch, verdienen oft in Teilzeit und in Niedriglohnjobs hinzu – aber meist nicht genug, um ihre Familie zu ernähren. In 30 Prozent aller Fälle wird kein Kindesunterhalt gezahlt, so dass die Alleinerziehenden dies teilweise oder voll kompensieren müssen.

Dies ist das Resultat struktureller Hindernisse und unzureichender Gesetze. Nicht nur das geltende Steuerrecht benachteiligt sie durch das Ehegatten-Splitting. Während unterhaltspflichtige Eltern seit Januar 2015 höhere Hartz-IV-Sätze erhalten, stagniert der Kindesunterhalt mit der dritten Nullrunde seit 2010. Die Hälfte der Kinder in Armut lebt bei Alleinerziehenden. Es gibt immer noch kein flächendeckendes und zeitlich flexibles Angebot an Kindertagesbetreuung. Das erschwert es erwerbstätigen Müttern und Vätern, in Vollzeit oder überhaupt erwerbstätig zu sein. Schlecht bezahlte Teilzeitarbeit ist meistens nicht existenzsichernd.

Mit Modellprojekten Barrieren überwinden

Die Walter Blüchert Stiftung setzt sich mit ihren Projekten dafür ein, gesellschaftliche, persönliche und systembedingte Barrieren zu überwinden. Um ein Konzept zu entwickeln, das Alleinerziehenden hilft, haben wir im vergangenen Jahr mit dem Verband Alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Gemeinsam werden wir drei Modellprojekte für „Ergänzende Kin­derbetreuung und Notfallbetreuung für Ein-Eltern-Familien“ realisieren. Ziel ist es, Allein­erziehende zu unterstützen und exemplarisch zu belegen, welch stabilisierende Wirkung eine passende, flexible Kinderbetreuung auf die wirtschaftliche Situation Alleinerziehender haben kann.

Flexible Betreuungsangebote – mehr Chancen am Arbeitsmarkt

Mit unseren Modellprojekten in Berlin, Essen und Mainz/Rheinland-Pfalz wollen wir aufzeigen, dass diese flexiblen Betreuungsangebote zu deutlich mehr Chancen am Arbeits­markt verhelfen. Über 600.000 Single-Mütter sind in Deutschland nicht oder nur geringfügig beschäftigt. Viele besitzen eine berufliche oder akademische Ausbildung und wollen arbeiten, können aber nicht, weil geeignete Rahmenbedingungen fehlen. Ein enormes Fachkräfte-Potenzial! Wer sich also für mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf engagiert, kann damit auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

Präventiv für Mütter und Kinder: „wir2“

Für Alleinerziehende ist der Alltag ein gewaltiger Kraftakt, der oft  gesundheitliche und seelische Beeinträchtigungen zur Folge hat. Und zahlreiche Studien belegen, wie auch Kinder darunter leiden, wenn ihre alleinerziehenden Mütter sich überfordert fühlen, gestresst oder traurig sind. Manche Kinder reagieren mit Verhaltensauffälligkeiten, zum Beispiel mit Hyperaktivität oder sozialem Rückzug. Einige tun sich schwer, im Kindergarten und später in der Schule selbstbewusst ihren Weg zu gehen. Mit dem bundesweiten Präventionsprogramm „wir2“ – ein bindungstheoretisch fundiertes Elterntraining – will die Walter Blüchert Stiftung einen Beitrag dazu leisten, Mütter und ihre Kinder gemeinsam stark zu machen für die Zukunft.

Heute für morgen Zeichen setzen!

Fazit: Auch heutzutage, auch bei uns in Deutschland ist es wichtig, sich für Gleichberechtigung und Chancengerechtigkeit einzusetzen, um gesellschaftliche Barrieren zu überwinden. „Make It Happen" – „Lassen Sie es geschehen!“ ist das Motto der Vereinten Nationen zum Weltfrauentag 2015. In Deutschland lautet das Motto "Heute für morgen Zeichen setzen!". Die Walter Blüchert Stiftung ist dabei.

Herzlichst

Ihr Gunter Thielen

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